Gemeinschaft zur Erhaltung von Kulturgut  in Tornesch von 1985 e.V. 

Mitglied im Schleswig-Holsteinischen-
Heimatbund ( SHHB)
       
    NSG Liether Kalkgrube AKTUELLES:
LIETHER KALKGRUBE:
 START
 NATIONALER GEOTOP
 ÜBER DAS NSG
 PRESSEBERICHTE
 SCHÜLERPROJEKTE




LINKS:
 KULTURGEMEINSCHAFT
 HEIMATHAUS
 MUSEUM MÖLLN HOF
 E.M.GROTH-STIFTUNG
 ... WEITERE



NSG Liether Kalkgrube

In der Gemeinde Klein-Nordende im Kreis Pinneberg / Schleswig-Holstein liegt die Liether Kalkgrube - eine der interessantesten geowissenschaftlichen Kostbarkeiten Norddeutschlands. Die Geowissenschaftler sprechen von diesem Aufschluss als einem „Blick durch ein Fenster in die Erdgeschichte“. Die Liether Kalkgrube ist seit Oktober 1991 als Naturschutzgebiet ausgewiesen.
Was ist nun das Einmalige an diesem erdgeschichtlichen und ökologischen Schutzgebiet, das am 12.5.2006 von der Akademie der Geowissenschaften zum national bedeutenden Geotop ausgezeichnet wurde.
Durch das Aufdringen eines Salzstockes im Erduntergrund des Gebietes Elmshorn-Süd, Klein-Nordende, Tornesch (Esinger Moor), Ellerhoop und Seeth-Ekholt sind in Klein-Nordende Erdformationen bis an die Erdoberfläche gedrungen, die sonst in bis zu 8 km Tiefe liegen. Hierbei handelt es sich um Ablagerungen der Perm- Formation (Rotliegendes und Zechstein) aus dem Erdaltertum, die vor 270 Mio Jahren entstanden. Normalerweise sind diese Gesteinsschichten durch Formationen des Bundsandsteins bis zum Quartär überdeckt.
Die Gesteine und Tone des Rotliegenden entstammen einer erdgeschichtlichen Epoche in der bei uns Wüstenklima herrschte. Durch die Kontinentaldrift bedingt, lag Elmshorn zu dieser Zeit im Bereich des Äquators. Rotbraune Sande und Schluffe lagerten sich ab und Salze wurden in hohem Maße auskristallisiert. Nur örtlich konnten sich Flora und Fauna entwickeln. Die „Rotliegend-Flora Lieth“ wird international als einmalig angesehen.

Die Ablagerungen des Zechsteins sind Meeressedimente des Zechsteinmeeres, von dem Schleswig-Holstein vom heutigen England bis weit nach Russland überdeckt war. Da hier jedoch heißes und trockenes Klima herrschte, verdunstete das Wasser und die darin enthaltenen Salze setzten sich auf dem Meeresboden ab. Solange eine Verbindung vom Binnenmeer zum Ozean bestand,  floss frisches Salzwasser nach, das ebenfalls eindampfte und die Salzschichten des Meeresbodens erhöhte.
Durch größere Einbrüche der Ozeane bildeten sich Ablagerungen unterschiedlicher Zusammensetzung. In der Liether Kalkgrube finden wir den nördlichsten Tagesaufschluss des Kupferschiefers in Europa. Hier wurden auch heringsähnliche Fische als Fossilien gefunden.
Dieser Ablagerungsprozess vollzog sich über einen Zeitraum von etlichen Millionen Jahren und führte zu einer Sedimentschicht von ca. 1.000 Meter Mächtigkeit.

Beim Bau der Eisenbahnlinie Altona – Kiel 1844 wurden die Schichten des Perms angeschnitten und auch ihre wirtschaftliche Bedeutung – unter anderem von dem Geologen Dr. Ludwig Meyn erkannt. Bereits in den darauf folgenden Jahren gründete sich auf dem „Rotenlehm“ eine Ziegelei, die aus den roten Tonen des Rotliegenden Ziegelsteine herstellte.

Ab 1925 wurde auch der Zechsteinkalk gewerblich abgebaut und zur Bodenverbesserung für kalkarme Böden aufbereitet. Durch den kontinuierlichen Abbau der Kalkasche entstand allmählich eine Grube von erheblichen Ausmaßen. 1980 stieß man bei der Vertiefung der Grubensohle auf den sog. Gipshut – die Spitze des „Salzstockes Elmshorn“.

Außer am geologischen Aufschluss Lieth besteht In Norddeutschland  keine weitere Möglichkeit, Beobachtungen und Studien am inneren Aufbau eines Salzstockes zu betreiben, ohne dass man in ein Bergwerk einfährt.

Doch Klein-Nordende bietet noch weitere Raritäten. Im Liether Kalkbruch ist in einem Erdfall eine Schichtenfolge von Braunkohleflözen und Sanden aus dem Quartär, dem frühen Eiszeitalter (2,6 – O,8 Mio Jahre) erhalten geblieben. Sie spiegeln den mehrfachen Wechsel von Kalt- und  Warmperioden und damit die klimatischen Verhältnisse während dieses Zeitraumes wieder. Fachleute bezeichnen die Schichtenfolge in Europa als einzigartig – Studenten, Wissenschaftler und interessierte Laien besuchen seit Jahrzehnten den Aufschluss der sog. „Lieth-Serie“.

Ende 1986 war die Grube soweit ausgebeutet, dass sich ein wirtschaftlicher Abbau nicht mehr lohnte. Von verschiedenen Seiten bemühte man sich, unter anderem auch von der „Gemeinschaft zur Erhaltung von Kulturgut in Tornesch“ um den Erhalt des für Schleswig-Holstein einmaligen Aufschlusses. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, über den beschwerlichen Weg bis zur formalen Ausweisung des Gebietes als NSG zu berichten.
Das Schriftgut füllt etliche Akten. 1995 wurde die Kulturgemeinschaft Tornesch mit der Betreuung des NSG beauftragt.

Der ökologische Wert der Grube erhöht sich dadurch, dass auf dem extrem kalkreichen Rohbodenstandort bisher über 140 Pflanzenarten registriert wurden, von denen vierzehn zu den in Schleswig-Holstein vom Aussterben bedrohten oder gefährdeten Arten zählen.

2005 wurde bei der Herstellung eines Schurfs in der sog. Kalkasche im Westteil der Grube mehrere Frost- und Eiskeilspalten von mehreren Metern Tiefe und teilweise mehr als 0,5 m Breite entdeckt. Diese Eiskeil – Pseudomorphosen  sind im sog. Frostzeitalter vor ca. 15.000 – 20.000 Jahren entstanden. Die wissenschaftlichen Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen.
Ein Findlingsgarten im Eingangsbereich der Grube wurde im Jahr 2004 mit jetzt 31 Findlingen eingerichtet. Entsprechende Info-Tafeln erklären Alter und Herkunft der Gesteine sowie das Wirken der Elster- und Saale-Eiszeiten in unserer Region.

Seit dem 18.6.1992 ist der geologische Pfad mit heute neun Info-Tafeln im NSG freigegeben. Unsere Gemeinschaft bietet für interessierte Gruppen  Führungen durch das Gebiet an. Seit 1992 haben über 10.000 Personen an einer Führung  mit der Kulturgemeinschaft durch das NSG teilgenommen.

Tornesch, im Februar 2011


VERANSTALTUNGSKALENDER



RUNDSCHREIBEN
    KONTAKTIMPRESSUMSEITEN-ÜBERSICHT