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NSG Liether Kalkgrube
In der Gemeinde Klein-Nordende im Kreis Pinneberg /
Schleswig-Holstein liegt die Liether Kalkgrube - eine der interessantesten
geowissenschaftlichen Kostbarkeiten Norddeutschlands. Die Geowissenschaftler
sprechen von diesem Aufschluss als einem „Blick durch ein Fenster in die
Erdgeschichte“. Die Liether Kalkgrube ist seit Oktober 1991 als
Naturschutzgebiet ausgewiesen.
Was ist nun das Einmalige an diesem erdgeschichtlichen und ökologischen
Schutzgebiet, das am 12.5.2006 von der Akademie der Geowissenschaften zum
national bedeutenden Geotop ausgezeichnet wurde.
Durch das Aufdringen eines Salzstockes im Erduntergrund des Gebietes
Elmshorn-Süd, Klein-Nordende, Tornesch (Esinger Moor), Ellerhoop und
Seeth-Ekholt sind in Klein-Nordende Erdformationen bis an die Erdoberfläche
gedrungen, die sonst in bis zu 8 km Tiefe liegen. Hierbei handelt es sich um
Ablagerungen der Perm- Formation (Rotliegendes und Zechstein) aus dem
Erdaltertum, die vor 270 Mio Jahren entstanden. Normalerweise sind diese
Gesteinsschichten durch Formationen des Bundsandsteins bis zum Quartär
überdeckt.
Die Gesteine und Tone des Rotliegenden entstammen einer erdgeschichtlichen
Epoche in der bei uns Wüstenklima herrschte. Durch die Kontinentaldrift bedingt,
lag Elmshorn zu dieser Zeit im Bereich des Äquators. Rotbraune Sande und
Schluffe lagerten sich ab und Salze wurden in hohem Maße auskristallisiert. Nur
örtlich konnten sich Flora und Fauna entwickeln. Die „Rotliegend-Flora Lieth“
wird international als einmalig angesehen.
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Die Ablagerungen des Zechsteins sind
Meeressedimente des Zechsteinmeeres, von dem Schleswig-Holstein vom heutigen
England bis weit nach Russland überdeckt war. Da hier jedoch heißes und
trockenes Klima herrschte, verdunstete das Wasser und die darin enthaltenen
Salze setzten sich auf dem Meeresboden ab. Solange eine Verbindung vom
Binnenmeer zum Ozean bestand,
floss frisches Salzwasser nach, das ebenfalls
eindampfte und die Salzschichten des Meeresbodens erhöhte.
Durch größere Einbrüche der
Ozeane bildeten sich Ablagerungen unterschiedlicher Zusammensetzung. In der
Liether Kalkgrube finden wir den nördlichsten Tagesaufschluss des
Kupferschiefers in Europa. Hier wurden auch heringsähnliche Fische als Fossilien
gefunden.
Dieser Ablagerungsprozess vollzog sich über einen Zeitraum von etlichen
Millionen Jahren und führte zu einer Sedimentschicht von ca. 1.000 Meter
Mächtigkeit.
Beim Bau der Eisenbahnlinie Altona – Kiel 1844 wurden die
Schichten des Perms angeschnitten und auch ihre wirtschaftliche Bedeutung –
unter anderem von dem Geologen Dr. Ludwig Meyn erkannt. Bereits in den darauf
folgenden Jahren gründete sich auf dem „Rotenlehm“ eine Ziegelei, die aus den
roten Tonen des Rotliegenden Ziegelsteine herstellte.
Ab 1925 wurde auch der Zechsteinkalk gewerblich abgebaut und
zur Bodenverbesserung für kalkarme Böden aufbereitet. Durch den kontinuierlichen
Abbau der Kalkasche entstand allmählich eine Grube von erheblichen Ausmaßen.
1980 stieß man bei der Vertiefung der Grubensohle auf den sog. Gipshut – die
Spitze des „Salzstockes Elmshorn“.
Außer am geologischen Aufschluss
Lieth besteht In Norddeutschland
keine weitere Möglichkeit, Beobachtungen und
Studien am inneren Aufbau eines Salzstockes zu betreiben, ohne dass man in ein
Bergwerk einfährt.
Doch Klein-Nordende bietet noch
weitere Raritäten. Im Liether Kalkbruch ist in einem Erdfall eine Schichtenfolge
von Braunkohleflözen und Sanden aus dem Quartär, dem frühen Eiszeitalter (2,6 –
O,8 Mio Jahre) erhalten geblieben. Sie spiegeln den mehrfachen Wechsel von Kalt-
und
Warmperioden und damit die klimatischen Verhältnisse
während dieses Zeitraumes wieder. Fachleute bezeichnen die Schichtenfolge in
Europa als einzigartig – Studenten, Wissenschaftler und interessierte Laien
besuchen seit Jahrzehnten den Aufschluss der sog. „Lieth-Serie“.
Ende 1986 war die Grube soweit ausgebeutet, dass sich ein
wirtschaftlicher Abbau nicht mehr lohnte. Von verschiedenen Seiten bemühte man
sich, unter anderem auch von der „Gemeinschaft zur Erhaltung von Kulturgut in
Tornesch“ um den Erhalt des für Schleswig-Holstein einmaligen Aufschlusses. Es
würde an dieser Stelle zu weit führen, über den beschwerlichen Weg bis zur
formalen Ausweisung des Gebietes als NSG zu berichten.
Das Schriftgut füllt etliche Akten. 1995 wurde die Kulturgemeinschaft Tornesch
mit der Betreuung des NSG beauftragt.
Der ökologische Wert der Grube erhöht sich dadurch, dass auf
dem extrem kalkreichen Rohbodenstandort bisher über 140 Pflanzenarten
registriert wurden, von denen vierzehn zu den in Schleswig-Holstein vom
Aussterben bedrohten oder gefährdeten Arten zählen.
2005 wurde bei der Herstellung eines
Schurfs in der sog. Kalkasche im Westteil der Grube mehrere Frost- und
Eiskeilspalten von mehreren Metern Tiefe und teilweise mehr als 0,5 m Breite
entdeckt. Diese Eiskeil – Pseudomorphosen
sind im sog. Frostzeitalter vor ca.
15.000 – 20.000 Jahren entstanden.
Die wissenschaftlichen Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen.
Ein Findlingsgarten im Eingangsbereich der Grube wurde im Jahr 2004 mit jetzt 31
Findlingen eingerichtet. Entsprechende Info-Tafeln erklären Alter und Herkunft
der Gesteine sowie das Wirken der Elster- und Saale-Eiszeiten in unserer Region.
Seit dem 18.6.1992 ist der
geologische Pfad mit heute neun Info-Tafeln im NSG freigegeben. Unsere
Gemeinschaft bietet für interessierte Gruppen
Führungen durch das Gebiet an. Seit 1992 haben über
10.000 Personen an einer Führung
mit der Kulturgemeinschaft durch das NSG
teilgenommen.
Tornesch, im Februar 2011
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